2015 - Rutenbau
Montag, 11. Dezember 2017 - 04:39 Uhr

Rutenbauseminar mit Karl Bartsch

Da unsere Jugendgruppe im Laufe der letzten Jahre viele neue Gesichter bekommen hat, dachten wir uns, es wäre mal wieder an der Zeit, ein Rutenbauseminar zu veranstalten.

Der Terminkalender von Karl Bartsch war Ende letzten Jahres, wo wir einen Termin suchten, schon ziemlich voll, bis in die Mitte des folgenden Jahres hinein, aber für den 7. Februar fanden wir noch einen freien Samstag, und sicherten uns diesen sogleich.

Gespannt warteten nun alle auf diesen Tag, wo die erste Aktion der Fischerjugend für dieses Jahr stattfinden sollte - und dann war es soweit. Der Tag war gekommen, und kurz vor 8 Uhr rollte dann Karl zusammen mit seiner Tochter Melanie und Freund Sebastian auf den Hof des Fischerheims, zeitgleich mit den ersten Jungfischern, die alle dem Bau einer eigenen Angelrute entgegenfieberten.

Zu Beginn stand die Materialauswahl. Alle hatten sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht, welchen Rutentyp sie aufbauen wollten, und wieviel Budget dabei zu Verfügung stand. So ging die Auswahl mit ein paar hin-und-her Überlegungen recht zügig vonstatten.


Karl erklärte dabei viel über den Einsatzzweck der einzelnen Rutenblanks, und gab Ratschläge, was für den jeweiligen Jungfischer gemäß seiner Vorstellungen zu empfehlen wäre.


Nach der Auswahl der Blanks ging es reihum mit der Auswahl der restlichen Materialien, wie Rollenhalter, Griffe, Ringe, Abschlusskappen, Winding-Checks, etc...

Die dabei auftretende Leerlaufzeit für diejenigen, die mit der Zusammenstellung des Gerätes schon fertig waren, überbrückten einige ganz ungezwungen mit ein paar Kartenspielen inzwischen dem ganzen Material.


Hier ein kleiner Ausschnitt der vielzähligen Kisten mit verschiedenstem Zubehör, das Karl dabei hatte, und danaben die Bindestöcke zum Anwickeln der Ringe.


Als erstes wurden die Griffstücke auf die passende Innenweite gefeilt.


Nach Unterfütterung der Blanks um Griffstücke und Rollenhalter passgenau aufzunehmen, wurden eben genannte Teile auf dem Blank verleimt.


Melanie berechnete für jeden Rutentyp den Abstand der Beringung, und erklärte anschließend, auf welcher Seite des Blanks die Ringe angebracht werden müssen. Dazu muss man nämlich den Overlap herausfinden, was bei gekauften Ruten eher dem Zufall überlassen ist...


Herstellungstechnisch bedingt kommt es nämlich auf einer Seite des Blanks zu einer Überlappung der Kohlefasermatten, dort hat der Blank dann sein stärkstes Rückgrat. Wenn man die Rute an der Spitze frei in den Raum hält, legt sich der Blank somit auf seine "faule Seite", wie wir Menschen auch, wie Melanie sehr charmant erklärte. Nun muss man die Ringe genau 90° seitlich abstehend anbringen, und kann das volle Potential der Rute ausnutzen.


Nach provisorischer Befestigung der Ringe und deren Ausrichtung erfolgte die filigranste Arbeit: Mit Zwirnsfaden der gewünschten Farbe mussten die Rutenringe an den Blank gewickelt werden. Dabei musste der Anfang und das Ende einer jeden Wicklung geschickt unter den Windungen versteckt werden, und bestenfalls lag dann auch noch jede einzelne Windung neben der anderen, und überkreuzte sich nicht...

Als besonderes Highlight wickelte mir Melanie zum Abschluss noch ein paar Zierwicklungen auf meinen Blank, was der Rute dann ein einzigartiges Erscheinungsbild bescherte. Vielen lieben Dank nochmal dafür!!!


Abschließend dann die Klecker-Arbeit: Das Lackieren. Mit dicken Unterlagen auf den Tischen wurde auf die Wicklungen der Zweikomponenten-Lack aufgetragen. Das erforderte allerhöchste Konzentration und präzises Arbeiten, um einerseits flächendeckende, aber auch schlanke Lacküberzüge der Wicklungen zu erzielen.


Auf den Tischen, wo gewickelt wurde, blieben schließlich nur noch schlachtfeldähnliche Zustände zurück...


...und auf den Trockentischen drehten sich die Ruten eingespannt die ganze Nacht um ihre eigene Achse, um den Lack gleichmäßig aushärten zu lassen.


Am nächsten Morgen dann trafen wir uns wieder im Fischerheim, um unsere Prachtexemplare abzuholen. Der eine oder andere überlegte schon, was er denn beim nächsen Rutenbauseminar bauen sollte... Also wird es wohl nächstes oder übernächstes Jahr eine Fortsetzung des Geschehens geben...

Vielen Dank an Karl, Melanie und Sebastian für diesen wunderschönen, lehrreichen und unvergesslichen "Basteltag" bei uns im Fischerheim! Jeder, der dabei war, wird noch oft, wenn er mit seiner selbst gebauten Rute am Gewässer steht, und vielleicht auch noch einen ganz besonderen Fisch damit fängt, an diesen Tag denken!

Also, bis zum nächsten Mal.....!


Bild und Text: GA